Geschichte Erlangen

Allgemeine Geschichte der Stadt Vor- und Frühgeschichte Das Regnitztal wurde schon in der Frühgeschichte als Durchgangsweg in Nord-Süd-Richtung genutzt. Aufgrund der relativ kargen Böden kam es jedoch kaum zu einem frühen Ackerbau und den damit verbundenen Siedlungsaktivitäten. Die wenigen archäologischen Funde deuten an, dass eine stärkere Besiedlung des Raumes um Erlangen erst ca. 2000 v. Chr. Einsetzte. Aus der Urnenfelderzeit (1200–800 v. Chr.) wurden in der Umgebung von Erlangen einige mit Sandsteinplatten eingefasste Gräber (Erlanger Zeichensteine) gefunden, die mit eingeritzten Tannenzweigmustern versehen waren und eine in dieser Form einzigartige Fundgruppe bilden. In einem 1913 entdeckten Grabhügel bei Kosbach nahe Erlangen wurden ebenfalls bedeutende Funde der Urnenfelderzeit, der späten Hallstattzeit und der Latènezeit gemacht. Der Fuß des Hügels stößt an den sogenannten Kosbacher Altar, eine quadratische Steinsetzung mit vier größeren Ecksteinen und einem phallusartigen Pfeiler in der Mitte. Es handelt sich dabei um einen singulären Grabbau aus der jüngeren Hallstattzeit. Die Rekonstruktion der Anlage kann im Gelände besichtigt werden. Ein weiterer interessanter Fund aus der späten Hallstattzeit ist das Eisenschwert mit Antennenknauf von Möhrendorf. Von der Villa Erlangon bis zum Dreißigjährigen Krieg Bereits 976 hatte Kaiser Otto II. die Kirche St. Martin in Forchheim samt Zubehör dem Bistum Würzburg geschenkt. Der spätere Kaiser Heinrich II. bestätigte 1002 diese Schenkung. Anders als bei Ottos Schenkung ist dieses Zubehör in Heinrichs Urkunde wesentlich detaillierter aufgeführt. Darunter befindet sich auch eine „villa (Dorf) erlangon“. Neben der Bestätigung der Schenkung aus dem Jahre 976 schenkte Heinrich zusätzlich zwei Meilenquadrate unmittelbar östlich der Regnitz, je eines südlich und nördlich der Schwabach. Sie umfassen das Gebiet, in dem die ältesten Teile der Erlanger Altstadt liegen. Eine eingehende Untersuchung der Urkunde Heinrichs II. kam zu dem Ergebnis, dass jene villa erlangon räumlich getrennt von dem Gebiet der Meilenquadrate gelegen haben muss, weil diese Gegenstand einer neuen, gesonderten Schenkung sind. Da es den Ortsnamen Erlangen in Deutschland mit Ausnahme des westlich der Regnitz gelegenen und heute eingemeindeten Dorfes Alt-Erlangen kein zweites Mal gibt, liegt es nahe, dass aus der villa erlangon das „andere“ Erlangen, also das heutige Alterlangen hervorgegangen ist. Größe und Umfang der beiden Meilenquadrate entsprechen etwa dem Flächenbedarf eines Dorfes und stützen so die Annahme, dass im Zeitpunkt der Beurkundung östlich der Regnitz eine Rodungssiedlung im Entstehen war, die durch diese Schenkung legitimiert wurde und die später wie in vergleichbaren Fällen den Namen der Muttersiedlung übernommen hat. Die neue Siedlung entstand auf der nach Westen vorgeschobenen, hochwasserfreien Sanddüne in einem Dreieck, das heute von Hauptstraße, Schulstraße und Lazarettstraße eingefasst wird. Die Herkunft des Ortsnamens Erlangen liegt im Dunkeln. Versuche der Lokalforschung, den Namen von Erlen (Baumart) und Anger (Wiesengrund) abzuleiten, halten der Ortsnamensforschung nicht stand. Insbesondere der Aufstieg Nürnbergs zu einer europäischen Handelsmetropole und der damit verbundene Anstieg von Verkehr und Handel begünstigte die Entwicklung vor allem der neuen Siedlung, die ab 1348 Großenerlang genannt wurde. Im Gegensatz dazu stagnierte das ursprüngliche Dorf Erlangen und wurde konsequenterweise ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Alterlang, Kleinerlang oder Wenigenerlang genannt. Die Erlanger Burg, um 1730 1361 erwarb Kaiser Karl IV. die Siedlung Großenerlang (nicht aber die ursprüngliche Siedlung Alterlang) vom Bischof von Bamberg und machte es zum Lehen des Königreichs Böhmen. 1374 erhielt der Ort durch König Wenzel Marktrechte sowie eine eigene Münzstätte, 1398 das Stadtrecht. Wahrscheinlich bald nach 1361 baute der neue Landesherr für die Verwaltung des erworbenen Besitzes in den Regnitzwiesen westlich des Ortes eine Burg, auf der ein Amtmann residierte. Diese Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg (1632) zerstört. Im 18. Jahrhundert hausten in der Ruine vorwiegend arme Leute. Als ab 1770 die Grundmauern nach und nach einstürzten, wurde die Burg geräumt, die Reste wurden 1782 abgetragen. Ihre genaue Lage war nicht mehr bekannt. Völlig überraschend stieß man im November 1981 bei Ausschachtungsarbeiten auf die Fundamente und den Brunnen dieser Burg. Sie stand auf den bebauten Grundstücken zwischen Fuchsengarten und Martinsbühler Straße. 1402 gelangte die Stadt als Teil des Fürstentums Kulmbach (bzw. nach 1604 Fürstentum Bayreuth) an die Hohenzollern. Erlangen war die Hauptstadt des so genannten Unterlandes des Fürstentums, das die Gebiete bis nach Neustadt an der Aisch umfasste und vom Oberland um Bayreuth durch einen Landkorridor getrennt war. 1528 erfolgte der friedliche Anschluss des gesamten Markgrafentums einschließlich Erlangens an die Reformation. Es gabe allerdings auch kriegerische Ereignisse, so den Hussiteneinfall im Jahre 1430, den Ersten und den Zweiten Markgrafenkrieg 1449 bzw. 1553. Im Dreißigjährigen Krieg, wurde Erlangen fast vollständig zerstört. Die Gründung der Neustadt 1686 Nach dem Dreißigjährigen Krieg verödete Erlangen. Fast 20 Jahre lang waren die Stadt und ihr Umland praktisch unbewohnt. Die Situation änderte sich erst 1685, als der französische König Ludwig XIV. das Edikt von Nantes widerrief, das den calvinistischen Untertanen – von ihren Gegnern Hugenotten genannt – seit 1598 Glaubensfreiheit gewährt hatte. Der Widerruf löste eine Flüchtlingswelle von ca. 180.000 Hugenotten aus, die sich vor allem in den Vereinigten Niederlanden, den britischen Inseln, der Schweiz, in Dänemark, Schweden und in einigen deutschen Fürstentümern niederließen. Eine geringe Anzahl der Glaubensflüchtlinge ging später nach Russland sowie in die niederländischen und britischen Kolonien. Diese Situation nutzte Markgraf Christian Ernst und bot den Flüchtlingen das Recht auf Ansiedlung in Erlangen, um die Wirtschaft in seinem durch den Dreißigjährigen Krieg gebeutelten Herrschaftsgebiet wieder anzukurbeln. Die ersten sechs Hugenotten erreichten Erlangen am 17. Mai 1686, etwa 1500 folgten in mehreren Wellen. Schon bald wurde klar, dass das kleine Dorf Erlangen nicht alle unterbringen konnte und eine neue Siedlung notwendig war. Als Standort der Neustadt genannten Siedlung wurde das Gebiet südlich des bisherigen Ortes Erlangen gewählt, welches aus verkehrstechnischer Sicht und wegen des Vorhandenseins von Wasserkraft durch die Regnitz als sehr geeignet erschien. Die neue Stadt wurde von dem markgräflichen Oberbaumeister Johann Moritz Richter nach den Gesichtspunkten einer idealen barocken Planstadt für etwa 7500 Familien samt Manufakturen und einer eigenen Kirche angelegt. Der Entwurf sah einen rechteckigen Grundriss symmetrisch zur Hauptstraße sowie zwei große Plätze vor. Der Bau begann am 14. Juli 1686 mit dem temple, der Hugenottenkirche. Im ersten Jahr wurden etwa 50 der geplanten 200 Häuser fertiggestellt. Da der Zuzug der Hugenotten nicht den Erwartungen entsprach, stagnierte der weitere Ausbau jedoch und erhielt erst 1700 durch den Beschluss, ein markgräfliches Schloss mit zugehörigem Park und Nebengebäuden zu errichten, neue Impulse. 1706 vernichtete ein Großbrand fast das gesamte ursprüngliche Erlangen, nun Altstadt genannt. Damit ergab sich die Gelegenheit, den barocken Entwurf der Neustadt auf die Altstadt auszudehnen und somit ein einheitliches städtebauliches Gesamtkonzept zu schaffen. Mitte des 18. Jahrhunderts war dieses im Wesentlichen abgeschlossen. Die ab 1701 nach seinem Gründer Christian-Erlang bezeichnete Neustadt wurde nicht nur zum Ziel der Hugenotten, sondern auch der Lutheraner und Deutsch-Reformierten. 1698 lebten etwa 1000 Hugenotten und 317 Deutsche in Erlangen. Aufgrund der Zuwanderung wurden die Hugenotten jedoch bald zu einer französisch sprechenden Minderheit in einer deutschen Stadt. Zu einer echten Integration kam es erst ab 1715, als die Friedensverträge nach dem Spanischen Erbfolgekrieg eine Rückkehr nach Frankreich ausschlossen und die Flüchtlingsmentalität sich in eine Einwanderermentalität wandelte. Der französische Einfluss nahm in der Folgezeit weiter ab. So wurde 1822 zum letzten Mal ein Gottesdienst in der Hugenottenkirche in französischer Sprache gehalten. Erlangen im Königreich Bayern 1792 gelangte Erlangen mit der Markgrafschaft zum Königreich Preußen, 1806 durch den Sieg Napoleons unter französische Herrschaft und 1810 an das Königreich Bayern. 1812 wurden Altstadt und Neustadt – bis dahin weiterhin Christian-Erlang genannt – zu einer Stadt vereinigt, die den Namen Erlangen erhielt. In der Folgezeit kam es zu einem raschen Ausbau von Stadt und Infrastruktur. Vor allem die Eröffnung des Ludwig-Donau-Main-Kanals und der Eisenbahnverbindungen sowie die Garnison und die Universität gaben der Stadtentwicklung wichtige Impulse. Bereits bei der bayerischen Gemeindeform von 1818 erhielt die Stadt eine eigene Verwaltung, was man später als „kreisfrei“ bezeichnete. 1862 wurde das Bezirksamt Erlangen gebildet, aus dem der Landkreis Erlangen hervorging. Weimarer Republik Hochinflation, Reparationszahlungen und Weltwirtschaftskrise bescherten den demokratiefeindlichen Parteien NSDAP, DNVP und KPD nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg auch in Erlangen einen starken Zulauf. Es etablierte sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die durch Industrieansiedlungen noch verstärkt wurde. Bei den Stadtrats-, Landtags- und Reichstagswahlen konnte die SPD zunächst eine relativ stabile Mehrheit um 40 % halten. Demgegenüber standen die Parteien der Mitte und der Rechten, deren Anhänger aus dem Mittelstand, der Universität, des Beamtentums und der Frauen kamen. Die NSDAP war ab 1924 im Stadtrat vertreten. Sie beherrschte ab 1929 als erste innerhalb der deutschen Hochschullandschaft die Studentenvertretung der Universität. Diese war zu dieser Zeit ein Zentrum nationalistischer und antidemokratischer Gesinnung, viele Studenten und Professoren wurden geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus. Ab 1930 eskalierte die politische Situation, angefacht durch die von der Weltwirtschaftskrise ausgelöste Massenarbeitslosigkeit. Es kam zu Aufmärschen und Straßenkämpfen der rechten und linken Verbände. Trotz des starken Zulaufs der NSDAP konnte die SPD bei der Reichstagswahl 1933 34 % der Stimmen gewinnen (reichsweit: 18,3 %). Nationalsozialismus Eine Plakette auf dem Schlossplatz erinnert an die Bücherverbrennung 1933 Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kam es auch in Erlangen zu Boykotten jüdischer Geschäfte und zur Bücherverbrennung. Der NSDAP-Stadtrat ernannte Hitler, Hindenburg und Streicher zu Ehrenbürgern, die Hauptstraße wurde in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. In der Reichspogromnacht wurden die jüdischen Familien misshandelt, erniedrigt, ausgeplündert und in der Folge in die Konzentrationslager verschleppt. 1944 wurde die Stadt als „judenfrei“ deklariert. Die akademische Gemeinschaft unterstützte zum großen Teil die Politik der NSDAP, einen aktiven Widerstand der Universität gab es nicht. In der Heil- und Pflegeanstalt (heute Teil des Klinikums am Europakanal) kam es zu Zwangssterilisationen sowie Selektionen von Kranken für die nationalsozialistische „Euthanasie-Morde (Aktion T4)“. Ab 1940 wurden Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in den Erlanger Rüstungsbetrieben eingesetzt. 1944 machten diese bereits 10 % der Erlanger Bevölkerung aus. Die Unterbringung in Barackenlagern sowie die Behandlung waren menschenverachtend. Erlangen nach dem Zweiten Weltkrieg Den Zweiten Weltkrieg überstand Erlangen fast unversehrt. Beim Anrücken der überlegenen amerikanischen Truppen am 16. April 1945 übergab der örtliche Kommandant der deutschen Truppen, Oberstleutnant Werner Lorleberg, die Stadt kampflos und vermied so einen ebenso aussichtslosen wie verlustreichen Häuserkampf im Stadtgebiet. Lorleberg selbst, der bis zuletzt als Anhänger des nationalsozialistischen Regimes galt, kam am selben Tag bei der Thalermühle ums Leben. Ob er von deutschen Soldaten erschossen wurde, als er eine versprengte Kampfgruppe zur Aufgabe bewegen wollte, oder ob er dort nach Überbringung der Kapitulationsnachricht Selbstmord beging, ist nicht abschließend geklärt. An ihn erinnert in Erlangen der nach ihm benannte Lorlebergplatz. Der Vermerk über Lorleberg, der an dem Platz angebracht ist, weist auf dessen „Tod dafür“ hin, der Erlangen vor der Vernichtung bewahrt habe. Nach der Übergabe der Stadt beschädigten zunächst amerikanische Panzer das letzte erhaltene Stadttor (das 1717 erbaute Nürnberger Tor) schwer, kurz darauf wurde es gesprengt. Das geschah wohl auch auf Betreiben von in der Hauptstraße ansässigen Geschäftsinhabern, die ebenso wie die durchziehenden amerikanischen Truppen das barocke Tor wegen seiner relativ schmalen Durchfahrt als Verkehrshindernis empfanden. Die anderen Stadttore waren bereits im 19. Jahrhundert abgerissen worden. Bei der Kreis- und Gebietsreform 1972 wurde der Landkreis Erlangen mit dem Landkreis Höchstadt an der Aisch vereinigt. Erlangen selbst blieb kreisfreie Stadt und wurde Sitz des neuen Landkreises. Durch Eingliederung von Umlandgemeinden wurde die Stadt erheblich vergrößert, so dass sie im Jahre 1974 die 100.000-Einwohner-Grenze überschritt und damit zur Großstadt wurde. Im Jahr 2002 feierte Erlangen sein 1000-jähriges Bestehen. Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“. Bildquelle: Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag / http://de.wikipedia.org/wiki/Erlangen

02.03.2011 - geschrieben von Daniela Dietrich

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